nach dem Druckkammerabstieg am 11.7.2017
im Marinestützpunktkommando Hohe Düne

Informationen zum letzten (23.) FT-Lehrgang, beendet am 14.07.2017

Die (richtigen) Knoten waren von Beginn an ein Schwerpunkt und mussten zur Freiwasserprüfung bei 20cm Sicht blind beherrscht werden. Glücklich der mit ausreichender Übung ...

Kursdaten / Ergebnisse in Kürze:

  • Bewerber bis 31.10.2016: 22 (inkl. Interessenten für Vorlesung)
  • FT-Kursteilnehmer: 10 (1x IOW-Mitarbeiter, 1x UW-Archäologe Berlin, 1x Masterstudentin UniR Biologie, 1 Masterstudent UniR Aquakultur, 2x Mitarbeiter Ozeaneum Stralsund, 1x Archäologie Frankfurt M., 1x Schiffsarchäologie e.V., 1x Umweltbüro; 1x Qualifizierung)
  • Gesamtzahl der Teilnehmer (inkl. Theorieausbildung): 18
  • Teilnehmer mit sporttaucherischen Vorkenntnissen: 8
  • Beantragte verkürzte Ausbildung: keine
  • Theorie- und Schwimmhallenausbildung: 13.2.2017 – 3.3.2017 (täglich jeweils 6:00-8:00Uhr Schwimmenhallenausbildung + 9:30Uhr–16:00Uhr Theorieausbildung)
  • Druckkammertest im MStpKdo Hohe-Düne: geplant war der 2.3.2017 auf der Basis eines  abgeschlossenen Kooperationsvertrages verschoben wegen personeller Probleme beim MStpKdo auf 7/2017, letztlich durchgeführt am 11.7.2017
  • Praxisausbildung am Schweriner See (DLRG Bad Kleinen): 08.5.2017-19.5.2017 (täglicher Ablauf: 7:00Uhr 1000m FS im See + 9:00Uhr – 17:00Uhr Freiwasserausbildung zT. bis 25m Wassertiefe; Sichtweite im See: <1m (bei WT 25m) bis 6-8m (WT<6m))
  • Praxisausbildung auf der Ostsee (Basisschiff: Kutter PRAUNUS; Ausweichorte bei Schlechtwetter: Chemiehafen (1x), Marinehafen Hohe Düne (2x), NUP Güstrow (1x), Zoo Rostock 1x)): 12.6.2017 - 16.6.2017 und 3.7.-12.7.2017 täglich 7:30Uhr – ca. 17:00Uhr
  • Prüfung(en) am:
    13.7.2017: Freiwasser im MStpKdo Hohe Düne wegen Wind (ca. 6 -7 Bft aus NW)
    14.7.2017: Neptunschwimmhalle HRO (6:00-8:00Uhr)
    14.7.2017: Theorie (9:30 - 14:30Uhr), 3 Gruppen je 1,5h
  • Prüfungskommission:
    Vorsitzender:  BG-Bau; Beisitzer für Medizin: SMI Kiel; Beisitzer Physik/Technik: TU München
  • Prüfungsergebnis: 9x bestanden

Damit sind seit 1995 in Rostock in 23 Forschungstaucherlehrgängen insgesamt 249 Forschungstaucher erfolgreich ausgebildet worden! Details hier

Erwähnenswert:

Der 23. Rostocker Forschungstaucherkurs stellte (wie bisher immer) ein vollständiges Ausbildungsangebot dar, welches sich insgesamt auf 8 Wochen erstreckte. Es hätten zwar formell 4 Kursteilnehmer die Voraussetzungen einer verkürzten Ausbildung erfüllt. Allerdings wurde ihren Wünschen natürlich entsprochen, das gesamte Ausbildungsprogramm durchlaufen zu dürfen - das Recht hat Jeder.  An den Prüfungstagen entstand zudem nicht der Eindruck, dass die Absolventen des 23. FT-Kurses "überqualifiziert" waren. Den einen oder anderen Wackler konnte man beobachten - und diese wurden von der Prüfungskommission dann auch deutlich angesprochen.
Einer der Kursbeginner offenbarte insbesondere in der Schwimmhalle bereits zu Ausbildungsbeginn große Probleme bei fast allen prüfungsrelevanten Übungen und darüber hinaus auch noch technische und konditionelle Defizite beim Schwimmen mit und ohne ABC-Ausrüstung. Da es in Rostock (noch) keinen Eingangstest gibt, wurden diese Schwierigkeiten erst während der Ausbildung sichtbar. Die Hoffnung, durch entsprechendes Training deutliche Verbesserungen zu erreichen, erfüllte sich zumindest im Februar 2017 noch nicht. Der Schwimmhallenabschlusstest am 3.3.2017 machte klar, dass die gezeigten Leistungen keinesfalls den Prüfungsanforderungen im Juli 2017 genügen würden. Der Kandidat entschied sich dann selbst, die weitere Ausbildung zum Forschungstaucher vorerst nicht weiter fortzusetzen. Das hat ihm sicherlich Zeit und Geld gespart - allerdings dem Ausbildungsbetrieb Aufwand und Geld und einem anderen Interessenten einen der wenigen Ausbildungsplätze gekostet. Falls potentielle Kursbewerber diese Zeilen lesen, sollten sie selbstkritisch reflektieren, ob sie über die grundlegenden Schwimmfertigkeiten und konditionellen Voraussetzungen verfügen bzw. bereit sind, ggf. den unbedingten Willen nach Verbesserung aufzubringen!

Einsatzklar: im Trocki mit Cressi-Vollmaske.
Alternativ kamen auch die Interspiro-Sprechmasken zum Einsatz
Trügerische Idylle: ab 7:00Uhr waren in Bad Kleinen täglich 1000m in ABC und Neoprene angesagt - anfangs bei 9°C Wassertemperatur
... am Begleitboot darf man sich auch mal festhalten...

Der Rostocker Ausbildungsbetrieb für Forschungstaucher verfolgt das Ziel, seine Absolventen auf wissenschaftliche Tauchprojekte vorzubereiten, die bei komplizierte(st)n Einsatzbedingungen und weltweit stattfinden können. Deshalb sind während der Ausbildung sowohl der Kondition dienende Übungen gefragt als auch taucherische Fertigkeiten unter den wechselnden Anforderungen von Binnengewässern und der Ostsee zu trainieren. Hinzu kommen Sicherheits- und Rettungsübungen.

Auf der Grundlage des in der BGR/GUV-R 2112 (jetzt: DGUV Regel 101-023) definierten Ausbildungsplanes wurde deshalb wieder ein sehr großer Umfang von Übungen ins Trainingsprogramm eingebaut.

Die Grundlagen des "richtigen" Forschungstauchens unter Einsatzbedingungen werden zweifellos in Bad Kleinen gelegt. Das Tauchen und die Kommunikation nach Leinenzugsignalen ist dort meist 3-4 Tage intensiv zu trainieren, ehe man von "sicher Beherrschen" sprechen kann. Auch der Umgang mit einer Vollgesichtsmaske ist gewöhnungsbedürftig. Wegen des eingeschränkten Gesichtsfeldes und mancher Undichtigkeit (es gibt nur eine Größe bei der Cressi-VM) entsteht anfangs immer mal wieder Unmut. Der Sicherheitsaspekt, dass beim Verwenden einer Vollsichtmaske bei einer plötzlichen Bewusstlosigkeit im Wasser das Ertrinken sehr unwahrscheinlich ist (der Lungenautomat fällt nicht aus dem Mund) wird eher verdrängt: junge Leute werden ja nicht einfach bewusstlos! Die Praxis beim Freizeittauchen zeigt immer mal wieder das Gegenteil ... leider.

Druckkammer und Seenotkreuzer waren ebenso in die Ausbildung integriert wie "richtige" Projektarbeiten in der Ostsee (bspw. am künstlichen Ostseeriff Nienhagen). Auch eine Suchaktion nach einem Wochen zuvor in der Ostsee verloren gegangenen Bleigurt fand statt und zwar unter ausgesprochen praxisrelevanten Bedingungen: wenn Speedboote vor Warnemünde, die ALPHA-Flagge ignorierend im Abstand von weniger als 50m am vor Anker liegenden Kutter vorbeirasen, steht jedem Taucheinsatzleiter der Angstschweiss auf der Stirn und es bedarf keiner weiteren Überzeugungsarbeit, einen solchen Taucheinsatz eher abzubrechen als eigentlich geplant. Da war das Wetter dann fast zu gut, denn bei bißchen mehr Welle fährt man nicht so schnell ...

Stärker werdender Wind verhinderte später andere Ausfahrten auf die freie Ostsee. Dafür waren dann Tauchgänge im Hafen angesagt oder auch Putzaktionen in Becken diverser zoologischer Einrichtungen.

Trotz aller Widrigkeiten gelang es einen noch ausstehenden Tieftauchgang >25m am Wrack des Kreideseglers vor Kühlungsborn durchzuführen und damit für alle (Kursteilnehmer und Ausbilder) einen schönen und biologisch interessanten Tauchgang auf der "Habenseite" abzubuchen.

Fazit: Entscheidungen, wann und wo Ausbildungstauchgänge gemacht wurden sind offenbar mehrheitlich richtig gewesen. Alle Kursteilnehmer haben ihre Ausbildungstauchgänge geschafft und alle sind so weit gesund geblieben, dass sie zumindest auch die Prüfungstauchgänge erfolgreich absolvieren konnten. Und die hatten es in sich: wer bei 20cm Sicht in der Lage ist, ein oder 2 Bojen in ca. 40m Entfernung uW. zu suchen und auch zu finden, ein ca. 30kg schweres Gewicht mit Hebesack zu versetzen, frei schwebend eine Montagearbeit durchführen kann und eine auf dem bzw. im Schlickboden liegende Stahlflasche ordnungsgemäß anschlagen kann, hat seine Tauchfertigkeiten ausreichend unter Beweis gestellt. Leider war der Versuch eines der Prüfer, im Wasser die Prüflinge zu beobachten, zum Scheitern verurteilt, weil eben nichts zu sehen war. Um so mehr wurden dann die gezeigten Leistungen anerkannt und respektiert!


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Grund zum Feiern: zu Beginn der Freiwasserausbildung feierte ein Ausbilder Geburtstag - vielen Dank für den Kuchen
diese 1000m von der Lieps nach Bad Kleinen waren 2x mit dem Trocki zurückzulegen
nach getaner Arbeit: Mancher braucht ein Dekobier - manche ein Eis ...
Tauchgangsvorbereitung am Steg
Gott muss ein Taucher sein ...
letzter Dichtigkeitstest
Sedimentprobe mit Stechrohr
Stahlrohrsägen / Holzkreuz bauen an der UW-Werkbank
uW gesägte Kunstwerke
"ich hab uW einen Riesenzander gesehen"...
" Das stimmt so nicht: es sind zwei ..."
Zander bewacht sein Nest
... und sein Kumpel leistet ihm Gesellschaft

Danksagung

An dieser Stelle sei allen Beteiligten für ihre Mitwirkung beim 23. Forschungstaucherkurs in Rostock gedankt: das sind immerhin die 10 Dozenten für die Theorieveranstaltungen und die Schwimmhallenausbildung.

Das MStpKdo in Hohe Düne machte die Benutzung der Druckkammer für einen 50m-Abstieg wieder möglich - wenn auch erst am letzten Ausbildungstag. Dieser Tag bildete zudem ein abschliessendes Highlight, weil nachmittags sogar noch eine Tauchunfallübung mit dem Seenotrettungskreuzer ARKONA aus Warnemünde stattfand. Seit vielen Jahren schon spielen die Dienst tuenden DGzRS-Besatzungen immer wieder engagiert mit. Vormann Carsten Wasner liess es sich nicht nehmen, eine ausführlich Auswertung der Notrufkommunikation an Bord des Kreuzers mit allen "Notrufern" vorzunehmen. Nicht ganz zufällig war an Bord der PRAUNUS an diesem Tag unser Mediziner, Dr. Peter anwesend, der trotz seiner 84 Lebensjahre nicht nur den Druckkammertest medizinisch betreute, sondern später auch die Rettungsübungen an Bord kritisch begleitete.

Gleich zu Beginn der Freiwasserausbildung öffneten die "Lederhexen" das Flussbad Rostock für den 1. Freiwasserabstieg der angehenden Forschungstaucher und versorgten sie mit einem Imbiss. Im Gegenzug versuchten diese bei Sichtweiten um 0,5m gefährlichen Unrat im Stegbereich zu beseitigen. Es kommt jedes Jahr einiges zusammen...

Die DLRG in Bad Kleinen war bereits zum 11. Mal Gastgeber der 12tägigen Binnenseeausbildung am Schweriner See. Eine vernünftige, bezahlbare Unterkunft ist schon wichtig, wenn ganztägig in einem Gewässer getaucht und geschwommen wird, welches anfangs nicht mehr als 9°C "warm" war.

Die Besatzung des Kutters PRAUNUS sicherte die Ostseetaucheinsätze und die Freiwasserprüfung ab.  Auch bei schlechterem Wetter wurde es auf der Ostsee probiert, jedoch setzte sich vielfach der Wettergott Thor mit Blitz und Donner durch. Bei heftigeren Winden fanden wir Unterschlupf im Hafen des Marinekommandos Hohe Düne, im Wildpark Güstrow, im Seebärenbecken des Zoo Rostock und einmal auch im Chemiehafen Rostock. Überall waren vor der Ausbildung entsprechende Anträge zu stellen bzw. Gespräche zu führen; entschieden werden musste jedoch immer kurzfristig und auf dem dann kleinen Dienstweg. Das hat alles reibungslos geklappt.

Die Taucher sind im Wildpark Güstrow nicht nur beim Putzen eine Attraktion
... besonders für die Kinder
angetreten zur Putzaktion bei den Seebären im Rostocker Zoo
von den Seebärinnen neugierig beäugt