Tasmanien 2017

Anaspides spinulae
Anaspides spinulae
Vorbereitung O2
Simon Talbot bereitet den O2 vor
Tauchbedingungen
"harte" Tauchbedingungen
 

„The Tasmanianmountainshrimp“ – Forschungsreise zu den tasmanischen Berggarnelen (Text von: Marian Reinhardt und Christoph Höpel; Bilder: Richter, Höpel, Reinhardt)

Die Berggarnelen oder „mountainshrimps“, wie sie von den Einheimischen genannt werden, der Familie Anaspididae kommen endemisch auf Tasmanien vor. Sie leben in Bergseen, Höhlen und kleineren Bächen, sowie in einigen der großen Seen Tasmaniens, aus denen sie bisher nicht durch die vom Menschen eingeführte Forelle vertrieben wurden. Genau diese Seen waren das taucherische Hauptziel unserer Forschungsreise. Die Morphologie dieser Krebse ist seit dem Trias weitgehend unverändert, weshalb sie auch als „lebende Fossilien“ bezeichnet werden.

Im Rahmen eines von der DFG finanzierten Forschungsprojekts unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Richter machte sich eine Gruppe des Instituts für Allgemeine und Spezielle Zoologie der Universität Rostock Ende Februar 2017 auf den Weg nach Tasmanien. Ziel der 4 ½ wöchigen Reise war es, verschiedenen Arten der Gattungen Anaspides, Paranaspidesund Allanaspides an möglichst vielen Lokalitäten zu sammeln und so tiefere Einblicke in die Biogeographie, Populationsstruktur und Morphologie der Tiere zu erlangen. der deutsche Teil der Forschergruppe bestand neben Prof. Richter aus den beiden Autoren des Berichtes - 2 in Rostock ausgebildeten Forschungstauchern. Vor Ort wurden wir von einem weiteren Wissenschaftler und Taucher vom Australian Museum in Sydney, Dr. Shane Ahyong, bei den Unterwasserarbeiten unterstützt, der so die Tauchgruppe komplettierte.

Bereits mehrere Monate vor der Abreise begann die Organisation, denn Tasmanien ist weit weg und schweres Gepäck bis dort zu senden, ist teuer. Nachdem Pickup und Boot gebucht waren, einige notwendige Materialien (Signalleine, Werkzeugnetz…) freundlicherweise durch das Forschungstauchzentrum der Uni Rostock zur Verfügung gestellt wurden, konnte auch Kontakt zur Tauchgruppe des „Institute for Marine and Antarctic studies“ (kurz: IMAS) der University of Tasmania aufgenommen werden. Die hilfsbereiten Kollegen versorgten unsere Gruppe mit einem Ottomotor betriebenen Kompressor, Flaschen und einem O2 Rettungskoffer samt O2 Tank. Dies alles zudem zügig und unbürokratisch.

Die Taucheinsätze beschränkten sich auf die größeren Seen Tasmaniens, wie z. B. den Great Lake oder Lake St. Clair. Diese liegen im Landesinneren auf dem Central Plateau, einer Hochebene, relativ nahe beieinander, so dass sich die Taucharbeiten auf eine Woche konzentrieren ließen. Zwar waren Wetter und Wassertemperatur konstant und angenehm (Wassertemperatur 14-17 °C), allerdings sorgten die schwankenden Sichtverhältnisse im Wasser, die teilweise unter einem Meter lagen, schlammiger Untergrund, sowie teilweise 2 m hohe Wasserpflanzen für Mehraufwand. Außerdem musste die BGR/GUV-2112, speziell hier die Bergseetabellen, des Öfteren beansprucht werden, da alle diese Seen über 500m, teilweise über 1000m lagen. Hier halfen uns vor allem unsere sehr umfang- und abwechslungsreiche Ausbildung und das häufige Üben mit der BGR/GUV-2112, diese Probleme ohne Schwierigkeit zu meistern.

Auch der nächste Arbeitsschritt, das Aufspüren und Fangen der Tiere, erforderte einiges an Übung, da die Tiere sich in Wasserpflanzen und unter abgestorbenen Ästen verstecken, in der Regel kleiner als 3 cm und recht flink sind. Der Fang erfolgte mit Schraubdeckelgefäßen und einer ruhigen Hand des Tauchers.

Nach insgesamt 11 Tauchgängen und etwas über 6 1/2 Stunden im Wasser konnte dieser Teil der Reise mit einem sehr positiven Resultat abgeschlossen werden. Zu erwähnen ist hier noch, dass der Lake St. Clair mit Sichtweiten von 7-8 m Werbung für Seetauchgänge ist, jedoch auch die Ausnahme darstellte. In einigen der Seen war die Abundanz der Tiere so niedrig, dass der herkömmliche Versuch, die Tiere mit der Dredge zu fangen, sicher erfolglos geblieben wäre. Insofern erwies sich die Tauchmethode als effektiv gemessen am gesamten, nicht nur Reiseaufwand. Es gilt nun das viele Material zu Hause aufzuarbeiten und auszuwerten...

Pressemeldung der UR

Lake St.Clair
Boot mit Tauchgerödel am Lake St.Clair
Tauchgangsvorbereitung
Tauchgangsvorbereitung
Tauchgang im St.Clair
Tauchgang im St.Clair bei 7m Sicht
Flaschenfüllen
Flaschenfüllen mit dem Mariner von Baue