Informationen zum letzten (25.) FT-Lehrgang, beendet am 12.07.2019

Kursdaten / Ergebnisse in Kürze:

  • Bewerber bis 05.11.2018: 17 (inkl. Interessenten für Vorlesung)
  • FT-Kursteilnehmer: 10 (1x Bachaelorstudent  UniR Biologie, 5x Masterstudenten UniR, 2x dt. Institute MV; 2x Mitarbeiter UniR )
  • Gesamtzahl der Vorlesungsbesucher: 13, davon 10 Kursbeginner
  • Kursteilnehmer mit sporttaucherischen Vorkenntnissen: 9
  • Beantragte verkürzte Ausbildung: 0
  • Theorie- und Schwimmhallenausbildung: 18.2.2019 – 8.3.2019 (täglich jeweils 6:00-8:00Uhr Schwimmenhallenausbildung + 9:30Uhr–16:00Uhr Theorieausbildung)
  • Druckkammertest im MstpKdo Hohe Düne: 7.3.2019
  • Praxisausbildung am Schweriner See (DLRG Bad Kleinen): 05.5.2019 - 19.5.2019 (täglicher Ablauf: 7:00Uhr 1000m FS im See + 9:00Uhr – 17:00Uhr Freiwasserausbildung zT. bis 25m Wassertiefe; Sichtweite im See: <1m (bei WT 25m) bis 6-8m (WT<6m))
  • Praxisausbildung auf der Ostsee (Basisschiff: Kutter PRAUNUS; Ausweichorte bei Schlechtwetter: Chemiehafen (2x), Marinehafen Hohe Düne (3x), Wildpark Güstrow (2x), Zoo Rostock (1x)): 24.6.2019 - 12.7.2019
  • Prüfung(en) am:
    11.7.2019: Freiwasser am Riff Rosenort (Ostsee)
    12.7.2019: Schwimmhalle OASE (Güstrow) (8:00-9:30Uhr)
    12.7.2019: Theorie im Wildpark Güstrow (10:00 - 17:00Uhr)
  • Prüfungskommission:
    Vorsitzender:  BG-Bau; Beisitzer für Medizin: DLR Köln; Beisitzer Physik/Technik: VBG
    Prüfungsergebnis: alle bestanden

Damit sind seit 1995 in Rostock in 25 Forschungstaucherlehrgängen insgesamt 267 Forschungstaucher erfolgreich ausgebildet worden! Details hier

Kursteilnehmer und Ausbilder am Ende der Schwimmhallenausbildung ...
... und mit Prüfungskommission am 12.7. nach Abschluss der letzten Prüfung im Wildpark Güstrow

Erwähnenswert:

Der 25. Rostocker Forschungstaucherkurs stellte (wie bisher immer) ein vollständiges Ausbildungsangebot dar, welches sich insgesamt über 8 Wochen erstreckte. Es hätten mindestens 4 Kursteilnehmer formell die Voraussetzungen einer verkürzten Ausbildung erfüllt. Auf Nachfrage aus der Prüfungskommission erläuterte der Ausbildungsleiter die seit Jahren in Rostock praktizierte Verfahrensweise: es wird jedem Kursteilnehmer nahe gelegt, die Ausbildung in der Gruppe gemeinsam zu beginnen und vor allem in den Ausbildungsteilen Theorie- und Schwimmhalle die Unterschiede zur Sporttauchausbildung kennenzulernen bzw. abschätzen zu können. Die Teilnahmen an den Zwischentests sind obligatorisch. Es macht keinen Sinn, immer wieder detaillierte Vergleiche zwischen Forschungs- und Sporttaucherausbildung zu ziehen, um danach den Grad der verkürzten Ausbildung festzulegen. Ausbildung, Ausrüstung, Organisation und Versicherung sind deutlich anders: Der erstere geht seinem Beruf im Wasser nach, der andere seinem Hobby. Deswegen ist der erste über die gesetzliche Unfallversicherung seines Arbeitgebers versichert und der andere privat oder über eine spezielle Sporttauchversicherung. Und deswegen muss der erstere etwas über Arbeitsschutz, Gesetzeskunde, tangierendes EU-Recht, Gefährdungsanalysen und Verantwortlichkeiten im Arbeitsprozess wissen. Daraus abgeleitet sind dann auch spezielle Vorschriften zur technischen Absicherung von Forschungstauchereinsätzen. Alles das sind u.a. die Themenschwerpunkte im 1. Teil der Ausbildung, die traditionell in Rostock in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Winter- und Sommersemester stattfindet. Kursteilnehmer mit ausreichend großer Taucherfahrung, die sich dann auch entsprechend schnell in die Arbeitsabläufe einer Forschungstauchergruppe reinfinden, können während der Freiwasserausbildung ggf. Ausbildungszeit verkürzen. Das ist aber im Einzelfall zu organisieren. Unterm Strich zählen scheinbar nur die Tauchstunden bzw. Tauchgänge als Prüfungsvoraussetzung. Was aber immer wieder vergessen wird ist die Tatsache, dass jede Tauchgruppe einen Taucheinsatzleiter, eine Signalperson und einen Rettungstaucher benötigt. Hinzu kommt "Hilfspersonal", welches Flaschen wieder auffüllt, diese transportiert und den Tauchgruppen anderweitig Hilfestellung gibt. Hat man in die Abläufe erst einmal "rein geschnuppert" und geht die Ausbildung mit Teamgeist an, reduzieren sich die Diskussionen über verkürzte Ausbildung meist auf terminliche Doppelungen während der Freiwasserausbildung. Die theoretisch möglichen 100h Verkürzung der Ausbildungszeit hat in Rostock bislang noch nie Jemand in Anspruch genommen.

Einige der Teilnehmer offenbarten in der Schwimmhalle zu Ausbildungsbeginn große Probleme bei den prüfungsrelevanten Übungen und darüber hinaus auch noch technische und konditionelle Defizite beim Schwimmen mit und ohne ABC-Ausrüstung. Da in Rostock aus organisatorischen Gründen kein Eingangstest absolviert werden kann, werden diese Schwierigkeiten auch immer erst während der Ausbildung sichtbar. Es gelang aber durch intensives Training eine deutliche Leistungssteigerung bei allen - insbesondere bei denen mit den anfänglich meisten Defiziten. So erreichten 2 der angehenden Forschungstaucher im 1. Langstreckentest über 1000m mit ABC Zeiten jenseits der 22min (Ziel: 18min). Beide konnten zum Ende der ersten 3 Ausbildungswochen diese Zeit um ca. 5min verbessern! Ähnliches war beim 50m-Streckentauchen zu beobachten. Diese Übung absolvierten schlussendlich alle 10 Teilnehmer bis zum 8.3.2019 erfolgreich. Bemerkenswert ist der Umstand, dass zur "richtigen" Prüfung am 12.7.19 nicht mehr alle ihre Bestleistungen abrufen konnten. Die Prüfungsleistungen waren nichtsdestotrotz ausreichend. Möglicherweise kam die Sicherheit, dass "es immer noch geht" auch daher, dass diverse Tauchsportvereine kurz vor der Prüfung den angehenden Forschungstauchern Möglichkeiten zum Testen im Schwimmbecken boten. Dafür vielen Dank.

Die Gelegenheit sollte jedoch genutzt werden an alle neuen, aber auch an die gestandenen Forschungstaucher zu appellieren, ihren konditionellen Zustand auf einem hohen Level zu erhalten. Aus Gesprächen mit fachkundigen Arbeitsmedizinern, die die G31-Tauchtauglichkeit jährlich bestätigen müssen, geht hervor, dass das nicht jedem Kollegen gelingt. Ein Forschungstaucher ist Profi, weil er unter Wasser seinem Beruf nachgeht. Und ein Profi muss seine Lebensweise eben professionell gestalten, so dass er jederzeit den körperlichen Anstrengungen beim beruflichen Tauchen gerecht werden kann. Es ist begrüßenswert, wenn Forschungstaucher Anschluss in einem Tauch- oder Schwimmverein suchen. Gut ist auch der Weg, den das IOW in diesem Jahr beschritten hat: 1x im Monat können die IOW-Forschungstaucher im Sprungbecken der Neptunschwimmhalle etwas für ihre Kondition tun. Vielleicht gelingt es ja in Zukunft, auch die Uni-FT hier verstärkt mit einzubeziehen. Dafür müssen aber die entstehenden Kosten geklärt werden.

Der erste Ausbildungsteil der diesjährigen Forschungstaucherausbildung wurde am 7.3. mit einem Druckkammertest im Marinestützpunktkommando Warnemünde / Hohe Düne und mit einer theoretischen Zwischenprüfung (8.3.) abgeschlossen. Immer wieder verblüffend im Video zu sehen, wie beim Erreichen von 6bar in der Druckkammer, was einer Wassertiefe von 50m entspricht, bei einigen der Tiefenrausch ziemlich rasch zuschlägt.

Das Ergebnis der Zwischenprüfung wird einerseits benotet. Wenn die Vorlesung "Grundlagen des wiss. Tauchens" Bestandteil des Curriculums ist, erscheint die Note auf dem Zeugnis. Andererseits ist die erfolgreiche Zwischenprüfung auch Voraussetzung zur weiteren Teilnahme an der praktischen Forschungstaucherausbildung. Hier gab es in diesem Jahr Keinen, der die magischen Fehler von 30 überschritt - im Gegenteil: einer der Kursteilnehmer hatte lediglich 2 der 90 Fragen falsch beantwortet, ein anderer gerade mal 4. Insgesamt schien also vom vermittelten theoretischen Lehrstoff eine ganze Menge hängen geblieben zu sein.

Im Zeitraum nach dem Ende der Theorieausbildung bis hin zur Freiwasserausbildung mussten die Kursteilnehmer schriftliche Hausaufgaben anfertigen und waren derart gezwungen, sich weiter mit Tauchtheorie und Gesetzeskunde intensiv zu beschäftigen. 120 zu beantwortende Fragen führten zu manchem Stoßseufzer wegen der vielen Arbeit - am Prüfungstag (12.7.) waren aber alle froh, dass noch ausreichend abrufbereites Wissen übrig war und auch gezeigt werden konnte.

Für die Freiwasserausbildung 2019 bestand die Hoffnung, ähnlich wie im letzten Jahr bei Superwetter arbeiten zu können. Dem war aber leider nut teilweise so. Die Ausbildung in Bad Kleinen begann bereits am 6.5.: das Wasser des Schweriner Sees hatte da noch eine Temperatur von 11°C. Nach fast 2 Wochen war die Temperatur immer noch 11°C. Durch sehr kalte Nächte gab es kaum eine Wassererwärmung. An allen Tagen war aber Freiwasserausbildung möglich und sie wurde recht schnell auch dafür genutzt, die geforderten tiefen Tauchgänge, also 10 auf über 15m und 5 auf über 25m zu absolvieren. Manch einer fand das etwas übertrieben, denn es standen ja noch fast 3 Wochen Ostseeausbildung an und da ist genügend Gelegenheit zu erwarten, bei besseren Sichtbedingungen diese tiefen Tauchgänge zu absolvieren. Aber es kam dieses Jahr ganz anders:

Von den 13 Ausbildungstagen auf der Ostsee konnten nur 3 für das Tauchen auf See genutzt werden. Heisst: 10 Tage musste vor allem wegen starker Winde und hoher Wellen in den Häfen getaucht werden. Damit es dort nun nicht zu langweilig wird, half die Gruppe 2x im Wildpark in Güstrow beim Putzen des Aquatunnels und 1x beim Saubermachen des Seebärenbeckens im Rostocker Zoo. Das war dann also das 1. Mal, dass es nicht gelang, in der Ausbildungszeit einen 25m-Tauchgang in der Ostsee zu absolvieren. Leider konnten auch diverse Wünsche des WWF beim Suchen von Geisternetzen in der Ostsee oder der Schiffsarchäologischen Gesellschaft für das Betauchen von SideScan-Verdachtsstellen nicht erfüllt werden. Auch die am letzten Ausbildungstag geplante gemeinsame Übung mit dem DGzRS-Kreuzer "ARKONA" aus Warnemünde wurde Opfer der Bedingungen: Tags zuvor fiel ein Segler über Bord und der Kreuzer war stundenlang (leider erfolglos) auf Suche vor Warnemünde. An unserem Übungstag konnten alle Kursanten zwar ihren Notruf absetzen und fanden im diensthabenden Vormann der "ARKONA" einen sach- und fachkundigen Gesprächspartner. Nachdem aber der Kreuzer bereits die Leinen von der Pier gelöst hatte, um 2 treibende Forschungstaucher übungshalber aus dem Wasser des Marinehafens zu ziehen, gab es gleich den nächsten echten Notfall, zu dem die ARKONA gerufen wurde. So war dann leider die Übung schneller zu Ende als gedacht. Trotzdem gilt unser Dank den Kollegen der DGzRS, die diese Übungen nun schon sehr viele Jahre kreativ begleiten und aktiv gestalten. Vielleicht klappt es dann nächstes Jahr wieder vollständig.

So windig die Tage während der "Ostseeausbildung" waren, so traumhaft war das Wetter am Prüfungstag (11.7.). Bei angenehmen Temperaturen und schwachen Winden aus wechselnden Richtungen konnten die Prüfungstauchgänge problemlos absolviert werden. Einer der Prüfer verspürte Lust, sich die Prüflinge unter Wasser anzusehen und fand nichts Wesentliches an deren Tauchfähigkeiten auszusetzen. Es blieb sogar Zeit für einen kleinen, leinengeführten Ausflug zum künstlichen Ostseeriff Rosenort.

Da die Sommerferien in MV bereits 2 Wochen zuvor angefangen hatten, war die Rostocker Neptunschwimmhalle wegen Bau- und Reparaturmaßnahmen geschlossen. Für die Schwimmhallenprüfung wurde deshalb das Güstrower Schwimmbad OASE genutzt. Und wie bereits vor 6 Jahren wechselten wir für die sich anschliessende Theorieprüfung in einen Seminarraum des benachbarten Wildparks, wo dann bis 16:30Uhr in 4 Gruppen geprüft wurde. Hier ging bei einigen Kursteilnehmern nochmal der Puls etwas hoch. Jeder Prüfer hat eben seine eigene Art Fragen zu stellen und man muss verstehen, worauf er hinaus will, um die richtigen Antworten zu finden. Der Rat eines Prüfers "auf einfache Fragen, einfache Antworten zu geben" half nicht immer weiter.

Wie auch immer: Ende gut - alles gut. Es war zwar unterm Strich manchmal ziemlich aufregend aber letztlich haben alle die Prüfung bestanden. Und auch hier gilt es, den erreichten Level (= Wissensstand) zu erhalten und nicht nur das: wir haben in den letzten Jahren beobachten können, dass sich ständig Inhalte und Bezeichnungen gesetzlicher Vorschriften, Regeln und Verordnungen verändert haben. Ein Forschungstaucher sollte derartige Veränderungen registrieren und darüber informiert sein. So sei der Hinweis gestattet, dass gerade eine Überarbeitung der "Regeln für den Einsatz von Forschungstauchern - DGUV-R 101-023" im Gange ist, über deren Stand die Prüfungskommission für Forschungstaucher anlässlich eines Symposiums (25.-27.9. in Rostock) informieren wird. Der Vorsitzende der Prüfungskommission für Forschungstaucher befürwortet die Idee, die Veranstaltung zu nutzen, um die dort vorzustellenden Änderungsvorschläge im Regelwerk zu diskutieren. Nicht nur die "neuen" sondern alle aktiven Forschungstaucher sollten die Gelegenheit nutzen, sich hier einzubringen.

 

 

Danksagung

An dieser Stelle sei allen Beteiligten für ihre Mitwirkung beim 25. Forschungstaucherkurs in Rostock gedankt: das sind zum einen die 10 Dozenten für die Theorieveranstaltungen und die Schwimmhallenausbildung.

Die Tauchergruppe im Marinestützpunktkommando  Hohe Düne machte zum wiederholten Male einen 50m-Abstieg in der Druckkammer möglich und schufen damit das Highlight zum Abschluss der Theorieausbildung.

Gleich zu Beginn der Freiwasserausbildung öffneten die "Lederhexen" (jetzt WSW Rostock) das Flussbad Rostock für den 1. Freiwasserabstieg der angehenden Forschungstaucher und versorgten sie mit einem Imbiss. Im Gegenzug versuchten diese bei Sichtweiten um 0,5m gefährlichen Unrat im Stegbereich zu beseitigen. Es kommt jedes Jahr einiges zusammen. Dieses Jahr begann gerade der Badebetrieb.

Die DLRG in Bad Kleinen war bereits zum 13. Mal Gastgeber der 11tägigen Binnenseeausbildung am Schweriner See. Eine vernünftige, bezahlbare Unterkunft ist schon wichtig, wenn ganztägig in einem Gewässer getaucht und geschwommen wird, welches gerade mal 11°C warm war - leider jedoch nicht wärmer wurde.

Die Besatzung des Kutters PRAUNUS sicherte die Ostseetaucheinsätze und die Freiwasserprüfung ab. Trotz widriger Bedingungen wurde immer versucht, vom Kutter aus zu tauchen und zu üben.
Bei heftigeren Winden fanden wir Unterschlupf im Hafen des Marinekommandos Hohe Düne, im Chemiehafen, im Wildpark Güstrow oder auch im Zoo Rostock. Überall waren vor der Ausbildung entsprechende Anträge zu stellen bzw. Gespräche zu führen; entschieden werden musste jedoch immer kurzfristig auf dem dann kleinen Dienstweg. Das hat alles reibungslos geklappt.

Auch von langer Hand vorbereitet war die Abschlussübung einen Tag vor der Prüfung gemeinsam mit der DGzRS in Warnemünde. Vielen Dank den Seemännern auf dem Kreuzer ARKONA, die seit vielen Jahren diese Aktionen mitmachen. Schon immer fand sich im Antragsschreiben die Formulierung, dass "echte Notfälle selbstverständlich Vorrang haben" - aber erst 2019 war es das 1. Mal so, dass gerade während der gemeinsamen Übungszeit ein echter Notfall durch die ARKONA zu versorgen war. Trotzdem vielen Dank an den Vormann und die Besatzung der ARKONA für's Mitspielen bei den Notrufen und für die wiederholte Bereitschaft für mehr ...