20 Jahre Rostocker Forschungstaucherausbildung...

... 21 Kurse erfolgreich beendet

Teilnehmer des 21. Kurses, 7 davon UniR

Im Schreiben vom 14.9.1990 des Seefahrtsamtes der DDR an die Mitglieder der Zentralen Taucherprüfungsprüfungskommission wurde diesen mitgeteilt, dass von der im Staatsvertrag DDR-BRD vorgesehenen Außerkraftsetzung von Rechtsvorschriften der DDR auch die "Taucheranordnung vom 14.4.1986" betroffen sei. Eine der Konsequenzen war, dass die bis 1990 ausgebildeten wissenschaftlich agierenden Schwimmtaucher der DDR bis Ende 1992 die Prüfung zum Forschungstaucher entsprechend berufsgenossenschaftlicher Regeln der BRD (damals ZH 1/540) ablegen mussten, um weiterhin gesetzlich unfallversichert unter Wasser arbeiten zu können. Diesen Schritt vollzogen jedoch nur 13 Kollegen!

Damit entstand nachfolgend ein akuter Mangel an Forschungstaucherkapazität vor allem unter dem Aspekt, dass perspektivisch in den Gewässern der Neuen Bundesländer zahlreiche wissenschaftliche Aufgaben unter Wasser auch durch Taucher gelöst werden mussten.

Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern aus der Universität Rostock widmete sich gemeinsam mit einem ehemaligen Rostocker Taucherarzt dem Problem und organisierte zwischen 1992-94 ein Vorlesungsangebot im Rahmen des studium generale zum Thema "Grundlagen des wissenschaftlichen Tauchens". 1995 erfolgte dann die 1. Forschungstaucherausbildung in Rostock, nachdem durch die Drägerwerk AG Lübeck mit einer Tauchgerätespende eine erste materiell-technische Basis geschaffen worden war. Eigentlich wurde aber am Standort Rostock eine bis zum Jahr 1961 zurückreichende Tradition fortgesetzt: damals begann hier die Berufstaucherausbildung für Wissenschaftler.

Mit der seit 1995 aktiven Beteiligung des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde erfolgte zudem weitere personelle und logistische Unterstützung der neuen Forschungstaucherausbildung. Ausbildungsbetrieb für Forschungstaucher in Rostock wurde vorerst die Weiterbildungsgesellschaft an der Universität Rostock e.V. (WBG). Erst nach deren Auflösung beantragte die Universität Rostock diesen Status, den ihr die Prüfungskommission für Forschungstaucher der BG Bau zum 9.1.2006 zuerkannte.

Die Kooperation bei der Forschungstaucherausbildung zwischen der Universität Rostock und dem IOW erwies sich von Anfang an als essenziell. Ergänzend waren und sind beteiligt 2 externe Ärzte, die Landesarchäologie und der Verein Fisch und Umwelt MV e.V..

In den letzten 20 Jahren wurden insgesamt 21 Forschungstaucherkurse in Rostock durchgeführt und 228 junge Wissenschaftler durch die zuständige Prüfungskommission unter Leitung der BG Bau erfolgreich geprüft. Die neuen Forschungstaucher kamen in zahlreichen wissenschaftliche Projekten nicht nur in Deutschland, sondern auch in tropischen und arktischen Gebieten zum Einsatz. Die Kombination von fachlicher Expertise und taucherischer Fähigkeit beeinflusste so manche Stellenbesetzung. Die Finanzierung und Durchführbarkeit vieler mariner Projekte war an die Einsatzfähigkeit von Forschungstauchern gebunden. Ohne Forschungstaucher wäre bspw. die wissenschaftliche Bearbeitung der künstlichen Ostseeriffe vor Warnemünde zwischen 2003-2015 gar nicht oder ganz anders gelaufen (Förderung durch EU und Land MV mit ca. 10Mill. Euro). Rostocker Forschungstaucher sind derzeit u.a. auch beim Küstenschutz (Langzeituntersuchungen des Buhnenbefalls durch den Schiffsbohrwurm teredo navalis), in der Aquakultur, in der Landes-UW-Archäologie oder auch bei der Gewässernutzung und -überwachung aktiv beteiligt.

Stand: 28.07.2017

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