Informationen zum letzten (26.) FT-Lehrgang, beendet am 03.07.2020

Kursdaten / Ergebnisse in Kürze:

  • Bewerber bis 05.11.2019: 32 (inkl. Interessenten für Vorlesung)
  • FT-Kursteilnehmer:  10(6x Studenten  UniR Biologie, 1x Studentin UniR Chemie, 1x Mitarbeiter UniR AUF, 1x Student FU Berlin, 1x wiss. Mitarbeiter HZW Dresden)
  • Gesamtzahl der Vorlesungsbesucher: 12, davon 10 Kursbeginner
  • Kursteilnehmer mit sporttaucherischen Vorkenntnissen: 8
  • Beantragte verkürzte Ausbildung: 0
  • Theorie- und Schwimmhallenausbildung: 24.2.2020 – 13.3.2020 (täglich jeweils 6:00-8:00Uhr Schwimmenhallenausbildung + 9:30Uhr–16:00Uhr Theorieausbildung)
  • Druckkammertest im Schifffahrtsmedizinischen Institut Kiel-Kronshagen: 12.3.2020
  • Praxisausbildung am Schweriner See (DLRG Bad Kleinen): 04.5.2020 - 15.5.2020 (täglicher Ablauf: 7:00Uhr 1000m FS im See + 9:00Uhr – 17:00Uhr Freiwasserausbildung zT. bis 25m Wassertiefe; Sichtweite im See: <1m (bei WT 25m) bis 6-8m (WT<6m))
  • Praxisausbildung auf der Ostsee (Basisschiff: Kutter PRAUNUS; Ausweichorte bei Schlechtwetter: Chemiehafen (1x), Marinehafen Hohe Düne (3x), Wildpark Güstrow (1x), Zoo Rostock (1x)): 15.6.2020 - 01.7.2020
  • Prüfung(en) am:
    02.7.2020: Freiwasser im Marinehafen Hohe Düne
    03.7.2020: Neptun-Schwimmhalle Rostock (6:30-8:00Uhr)
    03.7.2020: Theorie im Institut für Biowissenschaften (09:00 - 17:00Uhr)
  • Prüfungskommission:
    Vorsitzender:  BG-Bau; Beisitzer für Medizin: DLR Köln; Beisitzer Physik/Technik: VBG
    Prüfungsergebnis: alle bestanden

Damit sind seit 1995 in Rostock in 26 Forschungstaucherlehrgängen insgesamt 277 Forschungstaucher erfolgreich ausgebildet worden! Details hier

Es schien wie all die Jahre zuvor zu beginnen ...

Nach der Prüfung, die alle zwar bestanden haben aber noch nicht Jeder zertifiziert bekommen hat (nicht alle DLRG- und HLW-Zeugnisse sind derzeit vorhanden)

... das Bewerbungsverfahren verlief normal. Viele der potentiellen Kursteilnehmer hatten den Hinweis des Ausbildungsbetriebes beachtet und sich rechtzeitig um einen Termin für die Tauchtauglichkeit gekümmert. Während des Weihnachtskolloquiums 2019 wurde der Bedarf an Trockentauchanzügen deutlich und vereinbart, gemeinsam zur BOOT nach Düsseldorf zu fahren, um dort das erweiterte Angebot zu nutzen, um evtl. diese personengebundene Ausrüstung zu erwerben. Diese Chance nutzten 6 der Teilnehmer.

Und auch die organisatorische Vorbereitung brachte keine außergewöhnlichen Probleme: die Dozenten konnten fast ausnahmslos die ihnen zugeordneten Termine bestätigen. Da die Schwimmhallenausbildung erst nach den Rostocker Springertagen beginnen sollte, war auch die Bestellung der Schwimmhalle kein Problem. Lediglich der geplante Test in der Druckkammer im Marinestützpunkt Hohe Düne wurde relativ kurzfristig abgesagt. Es konnte aber noch die Alternativlösung beim SMI in Kiel-Kronshagen organisiert werden, so dass hier zwar ein längerer Anfahrtsweg entstand, aber ein allen Beteiligten nachhaltig in Erinnerung bleibender Druckkammerabstieg ablief: nach Aussage der anwesenden Ärztin waren dieses Mal wohl mehr als 1 Martini je 15m Tiefe im Spiel! Sie kommentierte das mit: "So etwas habe ich noch nie erlebt" - Gemeint war der Tiefenrausch einiger Teilnehmer.

                                                              

Nach dem Druckkammertest vor der HYDRA 2000 gemeinsam mit dem Druckkammerpersonal. Alle sind wieder nüchtern ;-)
Vor dem Taucheinsatz im Flussbad (Foto: Julia Tetzke)
Nach getaner Arbeit im Seebärenbecken des Rostocker Zoo. Die Tiere hatten sich offenbar an die Beckenputzer gewöhnt und hielten keinen Abstand mehr. Einen Mundschutz liessen sie sich allerdings nicht umbinden (Foto: Bodo Stöwesand)

... und war scheinbar am 13.3.2020 mit den Zwischentests zu Ende

Der 26. Rostocker Forschungstaucherkurs stellte (wie bisher immer) ein vollständiges Ausbildungsangebot dar, welches sich insgesamt über 8 Wochen erstrecken sollte. Einige der 10 Kursteilnehmer hätten formell die Voraussetzungen einer verkürzten Ausbildung erfüllt - nahmen jedoch auf eigenen Wunsch vollständig am Kurs teil.

In der Schwimmhalle offenbarten mehrere Kursteilnehmer größere Probleme bei prüfungsrelevanten Übungen und auch technische und konditionelle Defizite beim Schwimmen mit und ohne ABC-Ausrüstung. Es wurden aber durch intensives Training deutliche Leistungssteigerungen bei allen erreicht. So konnten 2 der angehenden Forschungstaucher über 1000m mit ABC ihre Zeiten um mehr als 4min verbessern. Die Ergebnisse beim Zwischentest in der Schwimmhalle waren zwar noch nicht alle akzeptabel aber deutlich besser als 3 Wochen zuvor. Und auch der sich anschliessende Ankreuztest als Abschluss der Theorieausbildung liess noch Wünsche offen, so dass die Kursteilnehmer erst einmal mit der Bitte verabschiedet wurden, weiter an ihren taucherischen Fähigkeiten und ihrem tauchtheoretischen Wissen zu arbeiten.

Das Hauptproblem für die Kursfortführung lag aber ganz wo anders und offenbarte sich nach der Verabschiedung der Kursteilnehmer in die Pause zwischen der Vorausbildung (abgeschlossen mit Theorie- und Schwimmhallenausbildung am 13.3.) und der Endausbildung (geplanter Beginn des Freiwassertauchens am 4.5.2020). Fast zeitgleich mit dem Verlassen der Schwimmhalle machte diese nämlich  für 3 Monate wegen CoVid-19 ihre Tore zu. Am selben Tag schickte die Universität Rostock aus demselben Grund ihre Mitarbeiter ins Home-Office. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, welchen Umfang die eingeleiteten Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland weiter annehmen würden. Die Hoffnung war durchaus noch vorhanden, dass die Ausbildung im Mai fortgesetzt werden könne. Diese erhielt jedoch einen sehr deutlichen Dämpfer als der "LockDown" in der Folgewoche das gesellschaftliche Leben fast lahm legte, nach den Universitäten auch alle Schulen und andere Einrichtungen geschlossen wurden und Verstöße gegen diese und andere Maßnahmen drastisch sanktioniert wurden. Dessen ungeachtet hielten die Kursteilnehmer weiter Kontakt zum Ausbildungsbetrieb und arbeiteten an ihren Hausaufgaben, obwohl die Auffassung nicht so abwegig hätte sein können, dass das jetzt alles sinnlos ist. Ein nächster Rückschlag für das Tauchen in der Coronazeit war ein publizierter Bericht von dem Innsbrucker Intensivmediziner Dr. F. Hartig über Untersuchungen an mit Corona infizierten Patienten, deren Lunge (weil sie Taucher waren) mit CT untersucht worden waren. Es konnte der Eindruck entstehen, dass ein mit Corona infizierter Taucher nicht mehr tauchen gehen kann. Die Frage im Ausbildungsbetrieb und gegenüber den Kursteilnehmern war zu klären, ob es verantwortbar ist, den Kurs überhaupt fortsetzen zu wollen?

Hier suchte der Ausbildungsleiter das Gespräch mit Dr. van Laak, DAN Europe als ärztliche Beratung. Dr. van Laak hat sehr oft die Forschungstaucherprüfung in Rostock mit durchgeführt und hat nicht nur deshalb ein besonderes Verhältnis zum Ausbildungsbetrieb. Seine Beiträge zum FT-Symposium 9/2019 und zum Weihnachtskolloquium 12/2019 sind allen Teilnehmern noch in guter Erinnerung. Letztlich war es dieser Kontakt und die sich daran anschliessende Kette weiterer Konsultationen mit Vertretern des Krisenstabes an der Universität Rostock und diverser, für die Region Bad Kleinen zuständiger Ämter, die die Auffassung bestärkten, dass es auch unter diesen besonderen Bedingungen möglich ist, die Forschungstaucherausbildung fortzusetzen. Die Universitätsleitung brachte das Vertrauen auf und befürwortete diese Maßnahme für Anfang Mai 2020. Da es sich um eine "dienstliche" Angelegenheit handelte, wurde auch die Einmietung der Forschungstauchergruppe in Bad Kleinen möglich und es konnte tatsächlich am 4.5. weitergehen. Allerdings war zuvor bei allen Kursteilnehmern die Bereitschaft dazu abgefragt worden. Beim Ausbilderteam kam es dagegen zu personellen Veränderungen, weil sie entweder selbst zur gefährdeten Personengruppe gehörten oder in der eigenen Familie besonders gefährdete Angehörige leben. Aber auch dieses Problem, welches durchaus schwerwiegende Folgen hätte haben können (ein Ausbilder kann die Binnenseeausbildung nicht allein bewältigen), konnte gelöst werden. Infolge der weiter rückläufigen Infektionen nicht nur in MV sondern bundesweit war die Genehmigung der Ostseeausbildung ab 15.6. zwar immer noch keine Formsache aber mit Auflagen (spezielle Gefährdungsanalyse, CoVid-19-Selbsterklärung siehe hier) möglich.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass alle Kursteilnehmer in den Prüfungen am 2./3.7.2020 die erforderlichen Leistungen erbringen konnten und viel wichtiger: nicht einer von ihnen wies während der gesamten Freiwasserausbildung Symptome einer Atemwegserkrankung auf. Alle waren und blieben gesund!
Allerdings blieb dieses Jahr das sonst obligate tägliche 1000m-7:00-Schwimmen im Schweriner See freiwillig - bei den immer noch auftretenden Nachtfrösten und entsprechend niedriger Wassertemperatur war das Potential für eine Erkältung ja durchaus gegeben.

 

 

 

Danksagung

An dieser Stelle sei allen Beteiligten für ihre Mitwirkung beim 26. Forschungstaucherkurs in Rostock gedankt: das sind zum einen die 10 Dozenten für die Theorieveranstaltungen und die Schwimmhallenausbildung - aber auch die Helfer beim Freiwassertauchen. Hier gab es einige, ohne deren Mitwirkung der Kurs hätte vorzeitig beendet werden müssen - DANKE!!

Die Druckkammerbesatzung an der HYDRA im SMI Kiel-Kronshagen machte zum wiederholten Male einen 50m-Abstieg möglich und schuf damit das Highlight zum Abschluss der Theorieausbildung - ein für alle Beteiligten im Gedächtnis bleibender Gruppen-Tiefenrausch. Wegen Amnesie der Betroffenen wurde das Ereignis auf Video festgehalten ;-)

Gleich zu Beginn der Freiwasserausbildung öffneten die "Lederhexen" (jetzt WSW Rostock) das Flussbad Rostock für den 1. Freiwasserabstieg der angehenden Forschungstaucher und versorgten sie mit einem Imbiss. Im Gegenzug versuchten diese bei Sichtweiten um 0,5m gefährlichen Unrat im Stegbereich zu beseitigen. Es kommt jedes Jahr einiges zusammen. Dieses Jahr hatte der Badebetrieb aufgrund der Corona-Pandemie und der damit angeordneten staatlichen Maßnahmen noch nicht begonnen.

Die DLRG in Bad Kleinen war bereits zum 14. Mal Gastgeber der 11tägigen Binnenseeausbildung am Schweriner See. Eine vernünftige, bezahlbare Unterkunft ist schon wichtig, wenn ganztägig in einem Gewässer getaucht und geschwommen wird, welches gerade mal 11°C warm war - leider jedoch nicht wärmer wurde. In diesem Jahr war das Einmieten nicht selbstverständlich und wegen Corona nur dienstlich motiviert erlaubt. Mit Hilfe des DLRG-Vorsitzenden gelang es, bei den zuständigen Behörden die notwendigen Genehmigungen zu erwirken.

Die Besatzung des Kutters PRAUNUS sicherte die Ostseetaucheinsätze und die Freiwasserprüfung ab. Trotz manchmal widriger Bedingungen wurde immer versucht, vom Kutter aus zu tauchen und zu üben.

Bei heftigeren Winden auf See fanden wir Unterschlupf im Hafen des Marinekommandos Hohe Düne, im Chemiehafen, im Wildpark Güstrow oder auch im Zoo Rostock. Überall waren vor der Ausbildung entsprechende Anträge zu stellen bzw. Gespräche zu führen; entschieden werden musste jedoch immer kurzfristig auf dem dann kleinen Dienstweg. Das hat alles reibungslos geklappt.

Auch von langer Hand vorbereitet war die Abschlussübung einen Tag vor der Prüfung gemeinsam mit der DGzRS in Warnemünde. Vielen Dank den Seemännern auf dem Kreuzer VORMANN JANTZEN, die diese Aktion in diesem Jahr mitmachten.

Ein ganz besonderes DANKESCHÖN geht an Julia Tetzke. Sie ist Mitarbeiterin im Medienzentrum der Universität Rostock und begleitete fast den gesamten Forschungstaucherkurs fotografisch. Ihre Bilder regten die Pressestelle der UniR dazu an, einen Lehrgangsbericht auf der WebSeite der UniR zu publizieren (Autor: Wolfgang Thiel), den die OZ am 3.7. übernahm. Dieser Bericht animierte die Redaktion des Nordmagazins zu einem Fernsehbeitrag, der ebenfalls am 3.7. ausgestrahlt wurde.

Kurz vorm 7:00Uhr-Schwimmen am Schweriner See - trotz der Nachtfröste rein optisch geeignet, das Immunsystem zu stärken. Vielleicht hat es ja geholfen...

Noch viel mehr Bilder sind im Fotoarchiv der Universität Rostock zu finden, veröffentlicht am 3.7.2020.